Hochvoltkompetenz
Hintergründe zur Hochvolttechnik
von Elektro- und Hybridfahrzeugen

11.02.2015

HV-Unterweisung via Internet mit BGI-konformem Selbstlernprogramm

Tüv Süd: BGI-konformes Selbstlernprogramm
Virtueller Lehrer: Dieser Herr heißt Christian und führt verständlich durch die Online-Schulung. Bild: Dreher
Tüv Süd: Webbasierte HV-Unterweisung
Interaktiv: Das Programm erklärt die wichtigsten Bauteile eines Elektrofahrzeugs. Bild: Dreher
Wissenstufen Elektrotechnik
Wer darf was? Die Wissenstufen der Elektrotechnik auf einen Blick

Da die meisten Kfz-Werkstätten früher oder später mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu tun haben werden, schreibt die Berufsgenossenschaft den Betrieben vor,  ihre Mitarbeiter für die von HV-Systemen ausgehenden Gefahren zu sensibilisieren. Aufbauend auf den rechtlichen Vorschriften gibt es zahlreiche Schulungsangebote, beispielsweise das Online-Lernprogramm der TÜV Süd Akademie. Wie es aufgebaut ist und welche Vorteile es bietet, hat sich HOCHVOLTKOMPETENZ angeschaut.

Elektrische Antriebe arbeiten mit sehr hohen Spannungen. Wer mit Hochvoltfahrzeugen umgeht, muss deren Gefahrenpotenziale und mögliche Schutzmaßnahmen kennen. Bezüglich Kenntnisstand und Qualifizierungsgrad gelten rechtliche Vorschriften, die in den Berufsgenossenschaftlichen Informationsschriften (BGI) fixiert sind. Laut BGI 8686 ‚Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen’ ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass alle Mitarbeiter, die mit HV-Fahrzeugen in Berührung kommen, entsprechend geschult werden – und zwar auch diejenigen Angestellten, die nichtelektrotechnische Arbeiten am Fahrzeug ausführen, etwa Karosseriearbeiten, Öl- und Radwechsel, oder auch das Reinigungspersonal, das in der Werkstatt tätig ist. Für diese Personen sieht die Berufsgenossenschaft die Qualifizierungsstufe der ‚elektrotechnischen Unterweisung’ vor.

Möglichkeiten zur Unterweisung

Betriebe haben verschiedenen Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter zu qualifizieren: Die Unterweisung kann durch eine interne Elektrofachkraft oder auch im Zuge einer externen Schulung bei einer Fremdfirma erfolgen. Eine praktische Alternative zu letzterem – da zeitlich und örtlich flexibel – bietet beispielsweise die TÜV Süd Akademie mit dem web-basierten Selbstlernprogramm ‚Sicherheit im Umgang mit Hochvoltsystemen’ an. Für die Teilnahmegebühr von 59,90 Euro erhält der Mitarbeiter einen zeitlich begrenzten Zugang zum TÜV-Süd-Trainingsportal und kann das circa eineinhalbstündige Programm eigeninitiativ durcharbeiten. Der zweite Teil des Kurses besteht dann aus einem kurzen Test. Wer diesen besteht, kann sich ein Zertifikat herunterladen, das als Nachweis für die erfolgte elektrotechnische Unterweisung dient.

Christian erklärt’s

Akademiekunden erhalten per E-Mail die Zugangsdaten zum Onlineportal, wo die gebuchten Kurse für jeden Nutzer in digitaler Form hinterlegt sind. Nachdem Start führt ein virtueller Lehrer Namens Christian durchs Programm, der dem Teilnehmer sämtliche Inhalte in klarer Sprache leicht verständlich darbietet und zudem auf versteckte Funktionen – wie beispielsweise den Reiter ‚Fachbegriffe’ zum schnellen Nachschlagen von Abkürzungen und Definitionen – hinweist. Seinen Frontalunterreicht unterbricht Christian immer wieder durch kurze Tests, bei denen der Nutzer interaktiv Begriffe richtig zuordnen, Bauteile korrekt anklicken oder die Richtigkeit verschiedener Aussagen prüfen muss.

BGI-konforme Schulungsinhalte

Das Lernprogramm zur Sensibilisierung für Gefahren bei Kraftfahrzeugen mit HV-Systemen gliedert sich in drei Kapitel. Neben einem kurzen Einblick in die Entwicklung von Elektroautos lernt man im Einführungsteil die grundlegenden Antriebskonzepte (reines Elektroauto und Voll-Hybrid) und deren wesentliche Bauteile kennen und erfährt, was im Umgang mit Hochvolt-Ladegeräten beachtet werden muss. Anhand zahlreicher Beispiele wird dem Nutzer zudem aufgezeigt, in welchen alltäglichen und beruflichen Situationen er mit Elektrofahrzeugen in Berührung kommen kann.
Das Kapitel ‚Gefährdung’ informiert dann allgemein über die Gefahren von elektrischem Strom und über dessen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Im Fokus stehen in diesem Teil der Schulung die entsprechenden Schutzmaßnahmen, die eine Berührung mit elektrischem Strom verhindern sollen, sowie das richtige Verhalten bei Unfällen.
Im Themenblock ‚Rechtliche Vorschriften’ lernt der Schulungsteilnehmer schließlich die wichtigsten gesetzlichen Vorgaben kennen, die den beruflichen Umgang mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen kontrollieren und definieren, welche Kenntnisse für welche Arbeiten am HV-Fahrzeug erforderlich sind (siehe pdf). Sehr nutzerfreundlich sind die übersichtlichen Zusammenfassungen am Ende jeden Kapitels, die sich als PDF herunterladen und ausdrucken lassen.

Mit Zertifikat

Akademiekunden müssen das 90-minütige Sensibilisierungsprogramm nicht an einem Stück absolvieren, sondern können es über einen Zeitraum von drei Monaten entsprechend des individuellen Lerntempos flexibel an beliebiger Stelle neu starten oder auch komplett wiederholen. Nach Abschluss der Schulung kennt der Teilnehmer die Gefahren, die von HV-Systemen ausgehen können und weiß im Notfall erste Hilfe zu leisten.
Am Ende wartet noch ein kurzer, auf die Schulung aufbauender Test, der ebenfalls online durchgeführt wird und im Wesentlichen aus den Fragen besteht, die Coach Christian bereits während des Programms gestellt hat. Wer 75 Prozent der Fragen richtig beantwortet, hat den Test bestanden und kann sich sein Zertifikat – und damit den ordnungsgemäßen Nachweis der elektrotechnischen Unterweisung – selbst ausdrucken. Gerade kleineren Werkstätten, die keine Elektrofachkraft mit entsprechender Ausbildung beschäftigen, bietet das intuitiv bedienbare Lernprogramm daher eine einfach praktikable, schnelle und vergleichsweise kostengünstige Lösung, um den Vorgaben der Berufsgenossenschaft nachzukommen.

Von: Beate Dreher